Experte fordert mehr Flexibilität im Gesundheitssystem
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Die private Krankenversicherung befindet sich – nicht zuletzt wegen der aktuellen Debatte über die Einführung einer Bürgerversicherung – in den Medien in negativem Licht. Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) Wolfram-Arnim Candidus sieht die Zukunft der PKV unter einem schlechten Stern. Seiner Meinung nach wird die Bundesregierung die private Krankenversicherung in naher Zukunft zu Gunsten der Bürgerversicherung abschaffen.
Großer Kritikpunkt sind derzeit die hohen Kosten der privaten Gesellschaften, die durch die hohen Erwartungen der Versicherten und die Probleme des Finanzmarktes entstehen.
Dabei profitieren sowohl die Versicherten als auch beide Versicherungssysteme von der gegenseitigen Koexistenz. Im Interview mit dem Deutschlandradio sagte der DGVP-Präsident, dass es zwar grundsätzliche Änderungen geben müsse, das duale System von GKV und PKV müsse aber auf jeden Fall beibehalten werden. Seiner Meinung nach müssten die Bürger frei wählen können, in welchem der beiden Systeme sie versichert sein wollen. Auch sei es notwendig, den Versicherten ein Wechsel zwischen beiden Systemen einfacher zu machen, wenn sie ihre Lebenssituation verändert. Auch die Aussage, dass die PKV sich nur gesunde Gutverdienender heraussuchen würde, ist nach Ansicht des Experten falsch. Auch chronisch Kranke und Versicherte mit Unfallfolgen müssten in der PKV versichert und behandelt werden. Das einzige Lockmittel seien die Billigtarife, deren Leistungen aber dementsprechend schlecht seinen.
Die Bürgerversicherung als einheitliches Modell wird von der nächsten Bundesregierung auf jeden Fall eingeführt werden, so Candidus. Die private Krankenversicherung wird dann nur noch die Möglichkeit bieten, den Versicherungsschutz der Bürgerversicherung aufzubessern.
Der DGVP-Präsident lehnt die Einführung allerdings ab, da "jede Monopolisierung ... uns garantiert nicht gut tut". Eine Grundversorgung sei dann akzeptabel, wenn die Beiträge angepasst würden. Bis zum Jahr 2030 müsste der Beitragssatz der Bürgerversicherung bei 25% des Bruttoeinkommens liegen, um die Einheitsversorgung zu finanzieren. Das dies so möglich sein wird, daran zweifelt der Experte. Man müsse deshalb andere Lösungen finden.
Eine Möglichkeit der Veränderung sieht Candidus in der Umstrukturierung des bestehenden Systems. Eine vereinfachte Verwaltung, eine bessere Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen sowie die ganzheitliche Betrachtung des Patienten bringe bereits ein Sparpotenzial von 30 Milliarden Euro. Der Politik hingegen wirft er vor, nicht bei der Wahrheit zu bleiben. Die Einführung der Bürgerversicherung reiche keinesfalls aus, um zukünftig die Kosten zu decken. Die Bürger müssten sich darauf einstellen, dass die Gesundheit aufgrund der demografischen Entwicklung immer teurer wird. Immer weniger Beitragszahler stünden den wachsenden Kosten wissenschaftlicher Erkenntnisse und neuer Technologien gegenüber. Wird der Beitrag nicht erhöht, werde man mit schlechteren Leistungen rechnen müssen.